Timm, du bist Papa von zwei kleinen Kindern, da ist es oft nicht leicht, sich seinen Freiraum zu schaffen. Musst du sehr für deine Freiheit kämpfen oder habt ihr euch Arbeit, Kinderbetreuung und Freizeit gleichberechtigt aufgeteilt?

Timm: Da ist Judith zum Glück sehr tolerant und lässt mich auch mal ein paar Tage durch die Welt fahren, um zu fotografieren. Flugzeuge zu fotografieren ist ja mein Hobby, oder ich gehe abends mal auf Konzerte oder zu Fotografenmeetings. Da genieße ich schon Freiraum.

Was begeistert dich daran, Flugzeuge zu fotografieren?

Timm: Das ist mein schöner Ausgleich zur Menschenfotografie. Es ist eine meditative Form, Dinge zu fotografieren, mit denen man nicht kommunizieren ↓ und die einfach nur technisch sind. (lacht)

Fliegen gilt als der Inbegriff von Freisein. Spielt das dabei eine Rolle?

Timm: Judith beschreibt mich immer als sehr freiheitsliebenden Menschen und da hat sie auch recht; ich brauch meine Freiheiten und dass ich dann gerade dazu dieses recht seltsame Hobby gewählt habe, hat mit dem Freiheitsaspekt zu tun. Ich denk da direkt auch an Reinhard Mey und „Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Ich bin mit Reinhard Mey aufgewachsen, weil meine Mama das immer gehört hat und fand den schon auch immer cool.

Ist über den Wolken dein Freiraum?

Timm: Wenn Mey singt „alle Ängste, alle Sorgen, blieben darunter verborgen.“, dann ist das ist ja auch nur eine Flucht. Man fliegt mal eben schnell in die Luft und lässt alles hinter sich, aber dann muss man wieder landen. Mir schenkt vor allem mein Glaube Freiraum.

Inwiefern?

Timm: Meine Definition von Freiheit im Glauben hat sich in den letzten Jahren sehr verändert, fast umgedreht. Ich komme aus einem eher engen christlichen Umfeld und da gab es immer einfache Antworten auf schwierige Fragen und man hat einfach das geglaubt, was gepredigt wurde und hat auch nicht nachgefragt. Aber im Nachhinein betrachtet würde ich sagen, dass ich jetzt freier bin. Freier nachzufragen, zu hinterfragen und zu kritisieren und auch meinen Glauben zu dekonstruieren.

Danke, Timm!

Die Arbeiten von Timm sind unter www.ziegenthaler.com zu finden.

 

 

Bilder: Oben und Mitte von Thomas Sasse, unten von Timm Ziegenthaler